Drei Wochen inseriert, zwei Anfragen, beide ohne echtes Interesse. Wer eine Immobilie verkaufen oder vermieten will, kennt dieses Szenario. Das Exposé ist online, die Fotos wurden selbst gemacht, der Preis orientiert sich an dem, was der Nachbar angeblich bekommen hat. Und dann passiert: wenig. Das Problem ist seltener der Markt als die Art, wie ein Objekt präsentiert und bepreist wird.
Der Preis ist meistens das erste Problem
Überbewertung ist der häufigste Grund für ausbleibende Anfragen. Kaufinteressenten vergleichen heute innerhalb von Minuten. Wer auf einem Portal mehrere Dutzend Angebote nebeneinander sieht, merkt schnell, wenn ein Objekt zehn oder fünfzehn Prozent über dem Niveau vergleichbarer Immobilien liegt. Das Inserat wird übersprungen, nicht angeklickt, nicht gespeichert.
Problematisch ist dabei das sogenannte Anchoring: Hat man sich einmal an eine bestimmte Zahl gewöhnt, fällt die Korrektur schwer. Dabei zeigen Auswertungen aus verschiedenen regionalen Märkten, dass Objekte, die nach sechs bis acht Wochen ohne Anpassung inseriert bleiben, im Schnitt länger auf dem Markt verweilen und am Ende trotzdem zu einem niedrigeren Preis verkauft werden als bei realistischer Erstbepreisung. Der Grund: Ein langes Inserat weckt Misstrauen. Interessenten fragen sich, was mit dem Objekt nicht stimmt.
Konkret bedeutet das: Wer nach zwei bis drei Wochen weniger als fünf ernsthafte Anfragen verzeichnet, sollte den Angebotspreis neu bewerten. Eine unabhängige Einschätzung, nicht die eigene Wunschvorstellung, ist dabei der bessere Maßstab.
Schlechte Fotos kosten mehr als man denkt
Ein dunkles Wohnzimmer mit Müllsack in der Ecke, ein Badezimmerbild aus der Hocke, ein Grundriss, der als Handyfoto vom Papier abfotografiert wurde. All das ist kein Extremfall, sondern tägliche Realität in Immobilienportalen. Fotos sind das erste, was ein Interessent sieht, und oft das einzige, was er beurteilt, bevor er weiterschrollt.
Professionelle Immobilienfotografie kostet je nach Region und Objekt zwischen 150 und 400 Euro. Das ist gemessen am Verkaufspreis einer Immobilie ein vernachlässigbarer Betrag. Tageslichtaufnahmen, aufgeräumte Räume, eine leichte Weitwinkeloptik ohne Verzerrung und ein ordentlicher Grundriss in digitaler Form: Das sind keine Luxusmerkmale, sondern Grundvoraussetzungen für eine ernsthafte Vermarktung.
Der Text des Exposés sagt zu wenig oder zu viel
Viele Exposétexte bestehen aus Adjektivketten ohne Substanz: „charmantes Objekt in ruhiger Lage mit viel Potenzial.“ Was bedeutet Potenzial konkret? Was genau wurde renoviert? Wann wurde die Heizung erneuert? Wie hoch sind die Nebenkosten? Diese Angaben fehlen häufig, obwohl sie genau das sind, wonach Interessenten suchen.
Genauso schädlich ist das Gegenteil: seitenweise Beschreibungen, die kein konkretes Bild erzeugen. Ein gutes Exposé beantwortet die fünf wichtigsten Fragen eines Käufers in den ersten drei Absätzen: Lage, Größe, Zustand, Preis, Besonderheiten. Alles andere ist nachrangig.
Die Plattformwahl entscheidet über die Reichweite
Nicht jedes Objekt gehört auf dieselben Portale. Eine Ferienwohnung in der Bodenseeregion hat auf einer lokalen Plattform oder über spezialisierte Anbieter möglicherweise mehr Erfolg als auf einem allgemeinen Portal, das primär von Stadtbewohnern genutzt wird. Gleichzeitig sollte man nicht nur auf einem einzigen Kanal inserieren.
Gerade bei Objekten in attraktiven Regionen lohnt es sich, auch regionale Makler einzubeziehen, die über ein aktives Interessentennetzwerk verfügen. Wer beispielsweise in Baden-Württemberg verkauft, arbeitet mit spezialisierten Anbietern wie Immobilien Konstanz, die lokale Marktkenntnisse und direkte Kontakte zu vorgemerkten Kaufinteressenten mitbringen. Das spart Exposékosten und verkürzt die Vermarktungszeit erheblich.
Zur Kanalstrategie gehört auch, wann und wie oft das Inserat aktualisiert wird. Neue Fotos, ein aktualisierter Text oder eine minimale Preisanpassung können dazu führen, dass ein Objekt in der Trefferliste wieder nach oben rutscht, was auf manchen Portalen entscheidend für die Sichtbarkeit ist.
Was Interessenten abschreckt, ohne dass man es merkt
Manchmal liegt das Problem nicht am Preis oder an den Fotos, sondern an Details, die Eigentümer schlicht nicht wahrnehmen, weil sie zu nah dran sind. Einige häufige Abschreckungsfaktoren:
- Fehlende oder unklare Angaben zur Energieeffizienzklasse. Seit 2023 ist die Nennung des Energieausweises in Inseraten Pflicht. Fehlt sie, wirkt das Objekt unseriös.
- Zu hohe Nebenkosten ohne Erklärung. Wer 450 Euro Hausgeld pro Monat für eine Zweizimmerwohnung aufruft, muss erklären, was darin enthalten ist.
- Ungünstige Besichtigungszeiten. Wer nur samstags zwischen 10 und 11 Uhr besichtigen lässt, verliert Interessenten, die beruflich eingeschränkt sind.
- Unklare Eigentumsverhältnisse oder offene Fragen zur Teilungserklärung bei Eigentumswohnungen, die im Inserat nicht adressiert werden.
Wann externe Hilfe sinnvoll ist
Es gibt einen Punkt, an dem Eigenvermarktung mehr kostet als sie spart. Dieser Punkt ist früher erreicht, als viele Eigentümer glauben. Maklerprovisionen liegen in Deutschland üblicherweise bei 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer pro Seite, also in der Regel zwischen 3 und 4 Prozent des Kaufpreises für Käufer und Verkäufer jeweils. Bei einem Objekt für 350.000 Euro entspricht das etwa 12.500 Euro pro Partei. Das klingt nach viel, bis man ausrechnet, was drei Monate Leerstand, ein zu niedriger Verkaufspreis durch mangelnde Verhandlungsführung oder rechtliche Fehler im Kaufvertrag kosten können.
Wer nach sechs Wochen ohne nennenswerte Resonanz immer noch allein vermarktet, sollte die Strategie grundlegend überdenken. Das bedeutet nicht zwingend einen Makler, aber mindestens eine ehrliche Analyse: Preis, Fotos, Text, Plattformwahl und Exposéinhalt müssen gemeinsam auf den Prüfstand.
Ein letzter Hinweis: Kein Inserat ist für immer. Wer ein Objekt nach längerer erfolgloser Vermarktung kurz vom Markt nimmt, es aufwertet und dann neu einstellt, erzielt damit häufig bessere Ergebnisse als mit endlosem Warten auf den richtigen Käufer. Der Markt hat ein Gedächtnis, aber ein kurzes.





